„Du bist ja so produktiv!" (Oder warum ich einfach nur effektiv prokrastiniere)
Jana Kubatzki | 28. August 2626 | Lebensthemen
“Du bist ja unglaublich produktiv. Wie stehst du denn zu KI, nutzt du das?” ist ein Satz eines Astrologen, der mich neulich kurz irritiert hat. Ich habe darauf ehrlich geantwortet (ja, ich nutze KI, aber nur zur Strukturierung meiner Gedanken, als Dialog-Wesen und zur Korrektur und zur Vermeidung von Redundanzen), aber steckt dahinter nicht eine offenkundige Skepsis meiner Arbeit gegenüber? So habe ich es zumindest empfunden. Kann man in Zeiten von KI auch gut verstehen, daher nehme ich mir das mal zum Anlass, genauer darüber zu berichten:
Die Wahrheit ist: Ich mache gar nicht so viel, wie es aussieht. ich mache nur mehr von den Dingen, die man sieht. Ich erzähle euch jetzt mal frei von der Leber, wie mein Arbeitsalltag so aussieht:
Montags mache ich vormittags immer die Kommunikationsarbeit, heisst: Checke die E-Mails, DMs, SMS und beantworte sie. Manchmal bereite ich danach eine Beratung vor. Meine Beratungen habe ich fast immer um 10 oder 13 Uhr, das sind meine Lieblingszeiten. Fast alles per Zoom. Als Astrologin habe ich vielleicht 2 Beratungen pro Woche, oder auch Folgecoachings. Das ist nicht viel, aber eben meine perfekte Dosis, damit ich alles andere auch noch schaffe.
Dienstag habe ich meinen Klaviertag ab 14:30. Davor mache ich Beratungen oder Schreibarbeit.
Ich mache immer Mittagspause von einer Stunde. Da ich im Homeoffice arbeite, schon immer, heißt das: ich gehe in die Küche und mache mir was Einfaches, Schnelles. Danach – wenn ich gut in meiner Struktur bin – gerne eine auch eher kurze Meditation. Dann arbeite ich am Stück bis 16 Uhr. Ich liebe Deepworking, einfach versinken in das, was ich tue. Das kann sein: Recherchen für einen Vortrag oder mein aktuelles Buch, Kapitel im Buch schreiben, einen Newsletter vorbereiten, einen Blogbeitrag oder einen Magazinartikel schreiben. Ich schreibe sehr viel. Seitenweise, aber nur, wenn es auch kommt, wenn ich richtig motiviert bin. Sonst bringt es nichts. Ich sitze dann planlos vor dem PC und bekomme keine Inhalte zusammen. Dann lass ich das auch.
Prokrastinieren gehört auch fest zu meinem Arbeitsalltag: ich räume dann die Wohnung auf, ordne meinen Zettelberg (ab in die richtigen Ordner), erledige Kleinigkeiten die auf meiner To do Liste des Monats stehen (Zahnarzt Termin machen, Geburtstagsgeschenke bestellen) oder lasse mich in der Muse treiben. Dann spiele ich Klavier (habe ich schon länger nicht mehr getan), schreibe an meinen Gedichten weiter (mittlerweile sind es schon 2 Bände) oder schreibe und lese in meinem Tagebuch. Ich bin milder mit mir geworden, wenn die Prokrastination ruft. Ich lass es einfach geschehen. Für mich fühlt sich das wie ein Glücksrad an (kennt ihr noch die Sendung aus den 90ern?): das Rad dreht sich und bleibt irgendwo stehen, und da will dann meine Energie dringend hin. Kunst, Musik, Lyrik, Schreiben, Aufräumen, Internetlabyrinth und einfach daddeln (Instagram Videos schauen, sehr sinnlos). Das geht natürlich nur, wenn ich keine Deadlines habe. Und auch nur, weil ich meinen Arbeitsalltag selber organisieren darf. Angestellt war ich noch nie, das hab ich schon früh gespürt, dass ich da maximale Freiheit brauche.
Für meine finanzielle Entspannung sorgt mein Zweitberuf als Klavierlehrerin (5 Stunden die Woche). Das ist die Miete.
Mein Arbeitstag fängt um 9 Uhr an (vorher ‘darf’ ich noch aufräumen, da gibt es bei drei Kindern immer gut zu tun) und endet um 16 Uhr. Zusätzlich sind die Online Vorträge und die Online Formate, die ich mit Hendrik Holler (als DieAstrologen.de) veranstalte. Wenn ich mal ein Wochenende wegfahre (zu einem Kongress etwa), dann nehme ich mir den Montag immer frei. Mir ist das dann zuviel und ich brauche viel Zeit für mich. Wenn ich super im Flow bin und mal Monate am Stück störungsfrei vor mich hin arbeite, dann plane ich auch wieder die täglichen Spaziergänge und manchmal schwimmen ein. Im Sommer bin ich meistens total aus dem Tritt: die Sommerferien mit den Kindern zerwerfen mir jedwede Struktur. Ich komme aus dem Urlaub und hab mein Gehirn – was die Alltagsstrukturen angeht – teilweise gelöscht. Was gut ist und schlecht. Vor dem Sommer sehne ich mich immer danach, alles mal fallen zu lassen, alles mal sein zu lassen, nicht immer im Fokus zu sein. Nach dem Sommer weiss ich meinen Alltag wieder sehr zu schätzen.
Meine Inspirationen kommen meistens vor oder nach dem Schlafen, in der grauen Stunde. Oder beim Spazierengehen. Oder einfach wann anders. Ich bin da offen und es darf mich anspringen.
Wer mich kennt, weiss, dass ich immer ein wenig getrieben bin, eine latente Grundunruhe in mir trage, vielleicht auch zu Aktionismus neige. Das ist wohl die Zwilingesonne im 9. Haus, mit Quadrat zu Jupiter. Und Uranus im Quinkunx zu Merkur in den Zwillingen.
Mein Hirn ruht nie so richtig, daher ist meditieren so wichtig für mich. Wenn ich es denn mal regelmässig tun würde.
Was mich noch interessiert ist Schamanismus. Da begebe ich mich jetzt tiefer rein, wie weit, werde ich noch schauen. Meine hellsichtigen Gaben breiten sich unkontrolliert immer weiter aus und ich möchte dem einen guten Rahmen geben (sagt mein Jungfrau Saturn im 12. Haus).
Meine Arbeit ist mir enorm wichtig, aber meine Kinder sind mir wichtiger. Hab ich schon erwähnt, dass aktuell Uranus auf meiner Sonne hockt? Kein Wunder, dass es gerade einfach auch noch ein bisschen schneller geht dieses Jahr: Die Vertiefung des Schamanischen, mein erster englischer Kongress in Nottingham (als Zuhörende), Speakerin beim DAV und SAB, die Doku vom ZDF mit mir (Sendetermin 21.10. um 22:15 ZDF mit Christian Sievers), Seminare über Neptun und Uranus bei Sabine Lechleuthner. Kein Zufall auch, dass ich unter diesem Transit mein drittes Buch rausbringe: Der Uranus-Code.
Ich mag es ja, über meinen Alltag zu philosophieren, aber jetzt ist mal genug. Reicht. Ich wollte einfach mal das Bild geraderücken, dass ich kein workaholic bin, sondern genauso Aus- und Ruhezeiten brauche wie jeder andere. Dass ich effektiv bin trifft es wohl eher. Ich plane Sachen gut und zerdenke mir den Kopf (beim Salatwaschen oder UNO spielen). Ich versuche weniger ‘absent’ zu sein und mehr präsent, wenn ich mit meiner Familie bin.
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